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"Sonntagsgruß" vom 08. März 1903 - Kirchlicher Anzeiger für Frankfurt a.M. und Umgebung
· Die Generalversammlung des Gefängnisvereins müßte allen ernst gesinnten evangelischen Teilnehmern die Überzeugung geben, wie leicht das System des reinen Majoritätsprinzips ein ersprießliches Wirken verhindert, sobald ein paar Leute mit rücksichtsloser Agitation die Sache an sich zu reißen verstehen. Derselbe Herr, der schon vor Jahren mit dem Ton des Anklägers gegen den Vorstand auftrat, hatte sich auch diesmal gerüstet, um denselben zu sprengen. Mit großer Unverfrorenheit griff er die Geschäftsführung an, und da er in einer Schar von kleinen Beamten die nötigen Stimmen verfügbar hatte, - wir lassen dahingestellt, wie sie gewonnen wurden – so gelang es, die Versammlung zu überrumpeln, den hochverdienten, im höchsten Maße vertrauenswürdigen Vorsitzenden Justizrat Dr. Ponfick hinauszuwählen und damit den Verein den Händen und Kreisen zu entreißen, unter denen er seit einem Menschenalter segensreich gediehen ist.
Was bei diesem Coup dahintersteckt, wird nicht ganz klar. Der Verfasser wirft die Frage auf, ob man nicht einen evangelischen Gefängnisverein gründen sollte. Der jetzt abgewählte Vorstand soll sich vor Jahren geweigert haben, von Stadtrat Felsch geforderte 5000 Mk für das Asyl für Obdachlose zu zahlen. Dann wird ein anderes Problem deutlich: von den 9 Personen des Vorstandes gehören 5 dem Gefängnis an, deren Direktor Herr Migula ist, - eine feindliche Übernahme durch das Gefängnis?
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